Ein Ton wächst aus dem ersten Tonimpuls in Zeit und Raum zu einem komplexen Klanggebilde heran wie ein Baum aus dem Samenkorn, und er zerfällt irgendwann wie alles in der Schöpfung.
Diese inneren lebendigen Strukturentwicklungen von Tönen bzw. Lauten können heute mit speziellen wissenschaftlichen Geräten sichtbar und hörbar gemacht werden.
So ist es gerade heute wissenschaftlich-technisch möglich, aus einem Ton bzw. einem Laut einzelne innere Tonentwicklungen herauszufiltern und als solche zu untersuchen.
Und wenn wir solche, vielleicht nur Bruchteile von Sekunden dauernden, akustischen Äußerungen räumlich und zeitlich dehnen, dann erkennen wir in einer jeden von ihnen eine unendliche Vielzahl miteinander verbundener Bewegungen dabei jede von ihnen ein ganz eigener veränderlicher Ton mit einer eigenen veränderlichen Tonhöhe und Lautstärke, einem eigenen veränderlichen Rhythmus, einem eigenen Entstehungsort und -zeitpunkt und einer ganz eigenen Entwicklung geradezu einem „persönlichen Lebensweg“.
Nicht nur die Tonhöhen, sondern auch die rhythmischen Bewegungen aller feinen Töne im Ton bzw. Laut verändern sich andauernd, und keine einzige Anordnung wiederholt sich auch nur ein einziges Mal.
Gleichwohl gibt es in ihrer Evolution feste Gesetzmäßigkeiten, wie wir sie auch in der physikalischen, chemischen, biologischen oder astronomischen Welt als „Naturgesetze“ kennen.
So finden wir in den komplex aufgebauten inneren Tonwelten selbst eines einzigen Tones oder Lautes mannigfache, natürliche „soziale“ Beziehungen zwischen sehr vielen feinen Tönen, wobei immer wieder neue „soziale“ Ordnungen die Oberhand gewinnen und wieder verlieren: Entwicklungen immer neuerer natürlicherer individueller, integrierterer sozialer und ökologischer Ordnungsmuster im Chaos.
Mit „Musik“ bezeichnen wir sinnvollerweise erst dieses innere Leben der Töne oder Laute, welches diese ganzheitlich erfüllt und ihnen ihre inneren Entwicklungen erst ermöglicht ähnlich wie auch unser inneres Leben den Lebenspfad eines jeden einzelnen von uns, darüber hinaus denjenigen unserer sozialen Lebensgemeinschaft und schließlich auch den Gang der ganzen ökologischen Entwicklung bestimmt.
Selbst in einem einzigen Ton aus einem Vogelgezwitscher herausgegriffen läßt sich ein Riesenkonzert von Vögeln entdecken, und in einem einzigen Laut unserer menschlichen Stimme kann man hört man genau hinein Riesenchöre, voll von Tönen, eigenen Gesängen, vernehmen.
Aber die natürlichen Fähigkeiten unseres „Musikgehörs“ sind durch die vielfältigen ökologischen Krisen gerade auch in der Musik betäubt und gelähmt.
Deshalb sollte es unser Anliegen sein, diesen Mikrokosmos der Musik schrittweise zu erschließen und als Hörer in diese unendliche verborgene Welt hineinzugelangen, wo sich uns die ursprüngliche Natur der Musik offenbart. Dann erkennen wir die ewigen Harmoniegesetze unseres Lebens.1